Hallo zusammen,
insgesamt treffen bei dieser zentral wichtigen Frage wieder die üblichen unterschiedlichen Standpunkte aufeinander

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Können Kontaktlinsen die Hornhaut eher schädigen oder sind sie aufgrund der technologischen Fortschritte auf diesem Gebiet bedenkenlos langfristig anzuwenden, auch unabhängig von einem Keratokonus? Wenn ja, bei einem fortgeschrittenen Keratokonus, bist du oder ist man bereit, Kontaktlinsen als einzige Möglichkeit zu akzeptieren, befriedigend und gut sehen zu können? Wie ist es um die langfristige Verträglichkeit von Kontaktlinsen bestellt?
Wenn ich Keratokonus habe, interveniere ich überhaupt und wenn ja, mit welcher Methode und wann?
Diese Fragen können und müssen von jedem und jeder Betroffenen individuell eingeschätzt und bewertet werden, eine objektive Wahrheit und
den Weg für alle gibt es nicht, auch wenn Gespräche vor allem mit der deutschen Ärzteschaft dies suggerieren. Es gibt keinen falschen Weg, es gibt genauso viele richtige Wege, wie es KK-Betroffene gibt.
Meiner persönlichen Erfahrung nach fällt es der Mehrheit der Augenärzte eher schwer, den Keratokonus eindeutig zu diagnostizieren, solange man mit Brille noch ein Fahrrad von einem Lastwagen unterscheiden kann. Ein Grund hierfür ist, dass die meisten Keratokonus-Algorithmen der Hornhauttopographen auf den vertikalen Typ des KK anspringen, jegliche andere Form fällt hier tendenziell eher durchs Raster, weil in den Frühstadien die Spaltlampenuntersuchung auch keine nennenswerten Veränderungen der Hornhaut zeigt.
Es gibt einen eindeutigen Symptomkanon, der bei ansonsten augengesunden Menschen eindeutig auf einen KK hinweist. Dazu gehören:
- Ein abnehmender bestkorrigierter Visus mit Brille oder weicher Kontaktlinse
- Zunahme des Zylinderwertes und/oder sich verändernder Achswert des Zylinders
- Mehrfachbilder in einem Auge (monokulare Polyopie) - wenn man bei der Brillenanpassung das Zylinderglas dreht, verschwindet immer nur eins der Mehrfachbilder oder wird weniger, immer ein anderes, und die anderen bleiben bestehen (irregulärer Astigmatismus)
- Verzerrungen (keine Wirbel, eher in der Art, dass ehemals gerade Linien eher gekrümmt oder leicht eingedellt erscheinen)
- "Sternsehen" und/oder Lichthofsehen um Lichtquellen nachts
- Erhöhte Blendempfindlichkeit nachts z.B. beim Autofahren und/oder vermindertes Kontrastsehen tagsüber bei Gegenlicht (mangelnde Schattenzeichnung)
- Evtl. Kopfschmerzen und/oder das Gefühl, sich beim Sehen vermehrt anstrengen zu müssen
Die monokulare Polyopie bzw. der irreguläre Astigmatismus wird allgemein als
das definierende Leitsymptom für einen KK angesehen...
Das sind mehrheitlich subjektive Symptome und genau diese Subjektivität führt häufig dazu, dass eine eindeutige Diagnose erst in späteren KK-Stadien gestellt wird, wenn alle anderen objektiv messbaren Faktoren wie Hornhautradius, -dicke usw. eindeutig pathologische Ausmaße angenommen haben. Das ist dann häufig auch ein Stadium, in dem eine Brille oder weiche Kontaktlinsen keine befriedigende Korrektur des KK mehr zulassen.
Versuch also erst einmal, den KK-Verdacht mit Hilfe eines kompetenten Augenarztes zu sichern oder zu widerlegen. Bei einer "positiven" Diagnose probiere herauszufinden, was für ein Typ du bist.
Bist du eher diejenige, die alles auf sich zukommen lässt und dann ggf. aktiv wird, wenn Handlungsbedarf besteht? Oder bist du jemand, der mit vermeintlich zu einem Zeitpunkt drastischen Maßnahmen vorbeugend aktiv wird? Oder vielleicht eine Mischung aus beidem, mit situativ veränderten Handlungsmustern?
Werde dir über diese "Typfrage" klar und definiere darauf basierend deinen ganz persönlichen Weg, mit der KK-Herausforderung umzugehen, wenn es denn ein KK sein sollte.
Alles Gute & viel Kraft und Durchblick für die kommende Zeit
Britta