Termine für den KeraLens-"Online-Stammtisch" der Keratokonus Selbsthilfegruppe:

2026: 11. Feb. - 8. Apr. - 10. Jun. - 12. Aug. - 14. Okt. - 9. Dez. 2026 (19:00 - 21:00 Uhr)
-- zum Teil mit Medizinern / Kontaktlinsenspezialisten (wird vorab bekannt gegeben).

Dauerhafter Link zum KeraLens-"Online-Stammtisch": https://lecture.senfcall.de/ker-358-fzk-yqk
(Keine Anmeldung, kein Passwort notwendig - einfach per "Click" zur angegebenen Zeit teilnehmen)

Weitere Infos zu den Stammtischen unter: https://www.forum.keratokonus.de/viewforum.php?f=152
(Zusätzlich oder als Alternative zu den regionalen Treffen.)
Die KeraLens-Accounts der Keratokonus Selbsthilfegruppe auf Instagram und Facebook werden im Verlauf von 2026 gelöscht/deaktiviert.

Es werden neue Kanäle aufgebaut, wie z.B. auf Mastodon und Bluesky. Weitere werden folgen.

Weitere Information und Diskussion dazu bitte hier: https://forum.keratokonus.de/viewtopic.php?t=6501

CCL re. 2010, li. 2011, Klinik Halle (/)

Basti Börner
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KC-Experience: seit 1999 auf beiden Augen Keratokonus

03/2010: linke Auge Cross-Linking Behandlung in Augenklinik Halle...alles super
08/2011: rechte Auge Cross-Linking Behandlung in Augenklinik Halle...alles super
Keratoconus since: linke Auge seit 1999
rechte Auge seit 2001
Experience with eyeglasses / lenses: habe auf dem linken Auge eine formstabile Linse und zusätzlich eine Brille..alles super.

CCL re. 2010, li. 2011, Klinik Halle (/)

Post by Basti Börner »

Operation Cross-Linking vor, während und nach der OP

Mein Name ist Sebastian, ich bin heute 30 Jahre jung und habe eine Hornhauterkrankung namens Keratokonus, welches eine starke und irreguläre Hornhautverkrümmung auf beiden Augen aufweist. Auf dem linken Auge habe ich eine Sehkraft von ca. 10%, auf dem rechten Auge ca. 70%.
Diese Diagnose Keratokonus bekam ich auf dem linken Auge als ich 16 Jahre alt war, das rechte Auge folgte dann mit 20 Jahren. Seit der ersten Diagnose trage ich auf dem linken Auge eine formstabile Kontaktlinse. Auf dem rechten Auge ist die Sehkraft ausreichend, sodass ich auf eine Linse verzichte.
Im Januar 2010 hatte ich mir das rechte und somit das heilere von beiden Augen mit Hilfe des Cross-Linking-Verfahren operieren lassen.
Was Cross Linking und Keratokonus ist, weiß jeder, der sich damit beschäftigt.
Im August 2011 hatte ich mir das linke und somit das schlechtere Auge operieren lassen.
Ich möchte aus meiner Sicht das Empfinden und Vorgehen näher erläutern. Was ist vorher und währenddessen zu beachten.

Eine Woche vor der Operation hatte ich auf Anweisung der Augenklinik in Halle die Kontaktlinse nicht mehr getragen. Nur so konnte eine korrekte Vermessung der Hornhautdicke und Geometrie vollzogen werden kann.
Damit ich besser mit dieser OP umgehen konnte, musste ich einige Gegebenheiten zur letzten Operation ändern.
In meiner Wohnung hatte ich zwei Tage vor der OP alle Räume, die ich betreten werde mit dunklen Rollos und Gardinen zugezogen. Gegeben falls hatte ich einzelne Fenster mit dunklen Decken zugehangen. Es durfte keinerlei Licht in die Wohnung dringen.
Ich hatte genug essen für drei Tage eingekauft. Schließlich ist es nicht angenehm die ersten drei Tage bei hellem Licht zu stehen.
Des Weiteren finde ich es erforderlich die ersten drei Tage nicht alleine zu sein.
Zum einen damit die Hin- und Rückfahrt für einen abgenommen wird. Nach der OP darf man kein Auto lenken. Auch mit der Bahn zu fahren halte ich für nicht empfehlenswert. Es sei denn, man wohnt in unmittelbarer Umgebung und hat einen Weg von unter 30 Minuten. Die 30 Minuten ist ein Richtwert. Dieser hängt von der Betäubungsdauer des operierten Auges ab.
Zum anderen ist eine Begleitperson für die drei Tage eine psychisch wohltuende Stütze. Es war schön, jemanden bei mir zu haben, als ich nichts sehen konnte. Aber das muss jeder für sich selber wissen.
In meinem Fall war meine Freundin für diese Tage bei mir. Großes Dankeschön an Sie.

Am OP-Tag fuhren meine Freundin und ich in der Früh ca. 1 ½ Stunden zur Augenklink Halle. Ich sah keinen Grund, mich gegenüber zur ersten OP für eine andere Klinik zu entscheiden und kann diese nur weiterempfehlen. Die Kontaktdaten füge ich bei.
Meine Freundin war sehr müde, durfte aber keine Getränke, die Koffein enthalten, zu sich nehmen, da sie drei Tage zuvor eine Weisheitszahn-OP hatte. Also war die Fahrt nicht ganz so entspannt. Meine Aufregung kann ich nicht mehr beschreiben, aber sie war spürbar da. Ich kann nicht sagen, welche von den beiden Hinfahrten schlimmer war. Beim ersten Mal, sodass ich nicht wusste, was auf mich zukommt oder beim zweiten, sodass ich wusste, was auf mich zukommt.
Somit fuhren eine müde und eine aufgeregte Person zur Klinik.
Als wir dort ankamen, ging alles recht schnell. „Herr Börner, bitte…“ Ein letzter Kuss und los ging es. In der Schleuse musste ich mich obenrum umziehen und bekam zusätzlich zum Oberteil ein Häubchen auf. Nach der Schleuse standen dort vier voneinander abgetrennte Liegestühle. Der ganz rechte gehörte dann wohl mir. Ich war der Einzige heute um diese Uhrzeit. Ich nahm Platz und lag mich entspannt hin. Durch die klassische Musik fühlte ich mich eher, wie in einem Ruheraum nach einer entspannten Massage in einem Wellnesshotel. Nach 10 Minuten war dann auch schon die Entspannung vorbei und das Auge wurde desinfiziert und gespült. Anschließend wurde das Auge mit einem Gel betäubt. Durch das Gel im Auge fühlte es sich sehr voll im Auge an. “eine Minute bitte zulassen und anschließen auf und zu machen“ sagte die Assistentin. Eine Minute war vorbei, doch das Klimpern fiel mir sehr schwer.
Obwohl ich diese folgend beschriebene Prozedur kenne, ist diese der unangenehmste Teil der OP. Der Prof. Dr. kam hinter mich und begrüßte mich freundlich. Damit ich nicht andauernd versuche zu blinzeln, klebte er mir das andere Auge mit Pflaster zu.
Nun setzte er die Spange zum offenhalten des Auges zwischen Auge und Lider ein. Das war für mich der schlimmste Teil der OP. Für andere ist es denke ich harmlos. Somit stand das Auge frei für den eigentlichen Eingriff am Auge. Der Arzt nahm das Skalpell und schabte die ersten Schichten der Hornhaut großzügig vom Auge herunter. Ich spürte davon ein etwas stärkeres und unangenehmes Drücken auf dem Auge. Aber frei von jeglichen Schmerzen. Dieses Herunterschaben dauerte etwa 2 Minuten. „Auf Wiedersehen und gute Besserung Herr Börner“… sagte er und weg war er. Alles andere machte jetzt die Assistentin. Sie tröpfelte 3 Mal jeweils nach 5 Minuten eine gelbe Flüssigkeit namens Riboflavin, welches das Vitamin B2 enthält, in mein Auge. Nach 15 Minuten wird ein UVA-Licht auf das Auge gerichtet.
Nun wurde 3 Mal jeweils nach 15 Minuten das Auge mit der Flüssigkeit beträufelt, während das Licht permanent auf das Auge leuchtet. Diese Zeit kam mir sehr lange vor, aber ich konnte die Zeit gut durch das erneute Tröpfeln erahnen.
Nach 45 Minuten entfernt sie die Lampe und spült alles gründlich im Auge, sodass sich kein Fremdkörper dort befand. Die Assistentin setzt eine Schutzkontaktlinse auf und nimmt die Spange heraus. Endlich und sichtlich erleichtert kam die Spange heraus. Ich setzte mich auf und bekomme einen Hagebuttentee für den Kreislauf. Während der OP hatte meine Freundin schon die zwei Arten Augentropfen aus der Apotheke abgeholt. Diese Tropfen werden mich nun die nächsten Wochen begleiteten. Den Kontrolltermin ein Tag, eine Woche und einen Monat danach hatte ich bei meinen Augenarzt in Wolfsburg schon vorab gemacht, da die Fahrt nach Halle dafür recht lang ist. Bis auf den Kontrolltermin drei Monate danach und somit der Abschlusstermin hatte ich wieder in Halle gemacht.

Da dies eine private Leistung ist, sollte auch unbedingt mit dem Hausaugenarzt geklärt werden, ob man krankgeschrieben wird und ob man die zwei Arten Augentropfen verschrieben bekommt und somit daraus eine Kassenleistung wird. Denn die Augentropfen kosten rund 100€.

Nach der OP bin ich ins Auto gestiegen und es war alles super. Die Betäubung hielt noch etwas an und ich konnte wunderbar in die Gegend ohne Beeinträchtigungen sehen. Wir fuhren wieder nach Hause.
Nach ca. 30 Minuten ließ die Betäubung nach und alles wurde recht schnell grell und fast unerträglich. Dem konnte ich dieses Mal etwas mehr entgegenwirken. Zum letzten Mal hatte ich mich besser vorbereitet und nicht nur eine leichte Sonnenbrille, wie es der Arzt gesagt hatte, mit. Ich hatte vorab eine sehr günstige Sportbrille gekauft. Diese hatte ich das linke Glas mit schwarzem Tape abgeklebt, sodass absolut kein Licht das Auge treffen konnte. Eine Schirmmütze und Kapuzenpullover hatte ich auch auf. Es wirkte alles so grell und das Auge tränte permanent. Obwohl das linke Auge kein Licht sah, war alles mit dem anderen sehenden Auge auch so grell. Wie das kommt, kann ich mit meinem medizinischen Wissen leider nicht beantworten. Jedenfalls war es die letzte Stunde sehr grell und unangenehm. Über die gesamte Fahrt hatte ich beide Augen zu. Schmerzen hatte ich jedoch zum Glück keine, obwohl die Assistentin auch Augenschmerzgel auf Wunsch verschrieben hätte. Dennoch verlief die Autofahrt besser als das erste Mal. Nach 1 ½ waren wir zu Hause angekommen und erst mal in die abgedunkelte Wohnung auf die Couch und entspannen.
Das Tränen des Auges und dieses Helligkeitsempfinden wurden schlimmer. Leichte Schmerzen kamen hinzu. Doch diese fielen kaum auf, da ich genug mit den Tränen zu kämpfen hatte. Ich versuchte ein wenig zu schlafen, doch daran war irgendwie nicht zu denken. Bei jedem Öffnen des Auges lief die Tränenflüssigkeit. Ich machte jeweils nach 10 Sekunden das Auge kurz auf, damit die Flüssigkeit in ein Taschentuch, welches ich zwischen Brillenbügel und Kopf geklemmt hatte, laufen kann. Ich lag für weitere 3-4 Stunden auf der Couch und fluchte.
Am Abend schaute meine Freundin einen Film und ich hörte ein Hörspiel. Naja, für mich war der Film wie ein Hörspiel. Ab und zu schlief ich ein und konnte mal abschalten, doch sobald ich erwachte, war das Grelle und das Tränen wieder da. Am Abend, als es draußen schon dunkel war, gingen wir beide für 10 Minuten an die frische Luft. Während der letzten Stunden hatte ich die ganze Zeit die Brille und die Kapuze auf.
Der erste Tag nach der OP ging in der Früh zum Augenarzt. Er verschrieb mir noch weitere Augentropfen, da die Anzahl der Ampullen, die die Augenklinik verordnet hatte, nicht ausreichen würden.

Diese Augentropfen musste ich allerdings nur mit 5 Euro bezahlen. Also unbedingt vorher mit dem Hausaugenarzt klären.

Mein Empfinden hatte sich gegenüber zum Vorabend nicht spürbar verändert. Das Tränen und die Helligkeit waren immer noch in großem Ausmaß vorhanden. Beim Augenarzt war dies nicht gerade angenehm, im Warteraum Platz zu nehmen. Der Arzt musste schauen, ob alles in Ordnung ist und ich versuchte mit sehr viel Mühe, die Augenlider auf zu machen und auf zu halten. „Alles sieht super aus und verheilt prima“…meinte der Arzt. Den ganzen Tag verbrachte ich in der dunklen Wohnung mit Sonnenbrille und Kapuze. Zum Abend gingen wir dann etwas länger in die Stadt. Die Geschäfte hatten natürlich alle geschlossen, da es schon dunkel und somit spät war. Aber für mich war die Dunkelheit perfekt. Ich konnte für eine kurze Zeit die Augen richtig öffnen und genoss es sehr. Jetzt ließ die Empfindlichkeit etwas nach und die folgende Nacht war bei weitem nicht so schlimm, wie die erste nach der OP.
Es ist aber schon ärgerlich, wenn es am dritten Tag 30° und Sonne satt draußen ist. Ich dachte mir, noch ein Tag ohne Sonne das klappt nicht. Also zog ich einige Vorhänge auf und ließ Licht in die Wohnung. Für meine Freundin war dies eine Wohltat. Ich tropfte fleißig die zwei Arten von Augentropfen. Man musste nicht jeweils immer eine Ampulle für einmal Tropfen benutzen. Eine Ampulle reichte bei mir für zwei Anwendungen. Das Schließen der Ampulle konnte ich auch perfekt mit dem abgerissenen Teil der Ampulle.
Die Empfindlichkeit ließ immer mehr nach und ich spürte kaum noch etwas. Die Schutzkontaktlinse war immer noch drauf, und die Sicht war somit sehr verschwommen. Dies fiel jedoch kaum auf, da mein rechtes Auge das besser sehende Auge ist.
Ich war die Woche nach der OP krankgeschrieben und diese brauchte ich auch. Eine Woche nach der OP stand der zweite Kontrolltermin an und die Linse kam ab. Jetzt konnte alles noch besser verheilen. Es war noch ein wenig entzündet, doch das wurde mit einem Augengel bekämpft.
Nach einer Woche nach der OP hatte ich nur noch eine Einschränkung. Ich brauchte auch eine neue Kontaktlinse, da die alte von der Geometrie nicht mehr tragefähig war. Sechs Wochen nach der OP ging ich zum Kontaktlinsenspezialisten meines Vertrauens und ließ mir eine neue Linse anpassen. Zwei Monate nach der OP hatte ich diese erhalten und konnte auch wieder im dunkeln Autofahren. Es ist schwierig, wenn die Tage allmählich kürzer werden.
Jetzt ist es November und ich habe demnächst meinen letzten Abschlusstermin in Halle.
Bis heute habe ich keine Schmerzen oder Beeinträchtigungen auf beiden Augen. Sie werden nach dem heutigen Entwicklungsstand nicht mehr besser. Ich habe aber das Gefühl, dass sich meine beiden Augen mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht verschlechtern werden. Dieses Gefühl reicht mir, nicht ständig daran denken zu müssen. Sollte dennoch wieder Erwartend nach x-Jahren eine Verschlechterung erfolgen, werde ich mich auch wieder operieren lassen. Es ist eine wunderbare Alternative und eine gelungene Prävention gegenüber einer Transplantation der Hornhaut.
Es gibt einige Videos im Internet über die beiden Verfahren (Cross-Linking und Hornhauttransplantation).
Nach diesen Videos hatte ich diesen höheren Drang, mich für das kostenintensivere und schmerzfreie Verfahren zu entscheiden. Für beide Augen hatte ich ca. 1900€ bezahlt inklusive Tropfen. Aber ich denke, dies ist ein kleiner Betrag gegenüber dem Verlust des Augenlichtes. Irgendwann wird dies soweit erprobt sein, dass dieses Verfahren von den Krankenkassen übernommen wird. Momentan tun sie es trotz mehrmalig telefonischer und schriftlicher Anfrage leider nicht.