Termine für den KeraLens-"Online-Stammtisch" der Keratokonus Selbsthilfegruppe:

2026: 11. Feb. - 8. Apr. - 10. Jun. - 12. Aug. - 14. Okt. - 9. Dez. 2026 (19:00 - 21:00 Uhr)
-- zum Teil mit Medizinern / Kontaktlinsenspezialisten (wird vorab bekannt gegeben).

Dauerhafter Link zum KeraLens-"Online-Stammtisch": https://lecture.senfcall.de/ker-358-fzk-yqk
(Keine Anmeldung, kein Passwort notwendig - einfach per "Click" zur angegebenen Zeit teilnehmen)

Weitere Infos zu den Stammtischen unter: https://www.forum.keratokonus.de/viewforum.php?f=152
(Zusätzlich oder als Alternative zu den regionalen Treffen.)
Die KeraLens-Accounts der Keratokonus Selbsthilfegruppe auf Instagram und Facebook werden im Verlauf von 2026 gelöscht/deaktiviert.

Es werden neue Kanäle aufgebaut, wie z.B. auf Mastodon und Bluesky. Weitere werden folgen.

Weitere Information und Diskussion dazu bitte hier: viewtopic.php?t=6501

Keratokonus und Persönlichkeitsveränderung

Der individuelle "Weg" bis zur Diagnose - was ist Keratokonus, habe ich überhaupt Keratokonus, was kann Man/Frau tun?.
Torn
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Posts: 1
Joined: 2010-09-29, 16:27
KC-Experience: Keratokonus auf beiden Augen seit 2007. Wahrscheinlich ausgelöst oder begünstigt durch eine Lasik-OP 2005. Stabilisierung mittels UV-Crosslinking 2008. Probleme: Das volle Programm, d.h. Halos, Doppelbilder, Kontrastschwäche, Konzentrationsprobleme, fluktuierende Sicht usw.

Keratokonus und Persönlichkeitsveränderung

Post by Torn »

Hallo zusammen,

ich möchte hier einfach mal mein Problem schildern, dass mich schon ziemlich belastet und einfach mal Fragen, ob es hier andere Betroffene gibt, denen es ähnlich geht: ich bin männlich, 28 Jahre und erhielt die Diagnose Keratokonus beidseitig vor 3 Jahren. Damals wurde gleich eine Vernetzung durchgeführt, so dass sich seitdem keine Verschlechterung eingestellt hat. Ansonsten bin ich körperlich fit, keine weiteren Probleme. Ich komme links mit Brille (bzw. Kontaktlinse) auf über 100%, sehe aber in der Dämmerung und insbesondere nachts sehr starke Verzerrungen aufgrund des ausgeprägten Asigmatismus. Mein rechtes Auge macht aber richtig Probleme. Da schwanken die Werte je nach Tagesform und Helligkeit im Untersuchungszimmer zwischen 20 und 80%, immer natürlich mit Doppelbildern und seltsamen Verzerrungen.

Nun bin ich momentan noch Doktorand an der Uni, mache mir aber sehr ernsthaft Sorgen darüber, wie es wohl zukünftig weitergehen kann. Ich zweifele wirklich stark daran, ob ich überhaupt vernunftig werden arbeiten können, da ich häufig an Müdigkeit, Konzentrationsproblemen und Kopfschmerzen leide, weil das Sehen mich so anstrengt und weil dieses am Tag immer so sehr schwankt und ich diese Doppelbilder habe, die sich leider weder mit Brille noch mit harter Kontaktlinse richtig ausgleichen lassen. Ich muss also praktisch ständig die Brille bzw. Linse wechseln, wenn sich die Lichtverhältnisse ändern. Ich brauche eine Brille für helle Räume, eine für Räume mit Kunstlicht und wieder eine andere für sehr dunkle Räume. Ich wechsele also mehrmals täglich die Brille und muss mir meinen Arbeitsplatz durch Runterziehen des Rollos und der Vorhänge regelmäßig an meine momentane Sehbefindlichkeit anpassen. Im Moment geht das noch gut, weil ich ja hauptsächlich zuhause am Schreibtisch arbeite und mir da alles so einstellen kann, wie ich es brauche. Ich habe einfach Angst davor, dass ich nach der Promotion geradewegs in die Arbeitslosigkeit falle und da auch nicht mehr rauskommen werde.

Ich habe mich auf Verwaltung und Personalmanagement spezialisiert, also auf Tätigkeiten, die viel Bildschirmarbeit erfordern. Das liegt mir eigentlich sehr, und privat sitze ich sehr viel vorm PC. Aber ich weiß, dass unter Stress (im Job) meine Sehschwankungen zunehmen und dass ich mir meinen Arbeitsplatz eben nicht immer so einrichten kann, wie ich das bräuchte. Ich traue mir also aufgrund meiner Erkrankung viele Tätigkeiten, die ich eigentlich sehr gerne machen würde und für die ich auch qualifiziert bin, mittlerweile gar nicht mehr zu. Auch will ich mit meiner Krankheit natürlich nicht hausieren gehen und will diese aus Angst vor Ablehnung bei Vorstellungsgesprächen lieber gar nicht erwähnen.

Es ist halt immer die Befürchtung da: Packst du das wohl? Und was soll aus mir werden? Ein Leben auf Hartz4? Hinzu kommt, dass ich mich auch von vielen Ärzten einfach nicht verstanden fühle. Ich sitze da im Untersuchungszimmer vor der Tafel und kann eine bestimmte Zeile lesen, so dass mir der Arzt dann freudestrahlend sagt: "Super. Sehr gut, sie haben da 80% auf dem rechten Auge. Ein gute Ergebniss bei ihrer Erkrankung". Jaja, das mag ja sein, nur wenn ich dann versuche, darzulegen, dass ich zwar die kleine Buchstabenreihe "B F G Z U I" erkennen kann, ich die Buchstaben aber dreimal undeutlich sehe und diese in mehrer Richtungen ausstrahlen, dann scheint mir, dass das gar nicht zur Kenntnis genommen wird. Hauptsache ist ich kann die Zeile lesen und gut ist...Es ist aber eben nicht gut, sondern schrecklich, so zu sehen.

Um es kurz zu machen: Dieses ständige "sich Sorgen machen" und die gefühlte Perspektivlosigkeit haben mittlerweile dazu geführt, dass ich merken, dass sich meine Persönlichkeit in den letzen drei Jahren ziemlich zum Negativen verändert hat. Ich war mal ein sehr sportlicher, lustiger, extrovertierter Mensch, bin gerne mit Freunden weggegangen und habe auch spontan viele Dinge getan. Heute mache ich gar nichts mehr davon. Ich lebe zurückgezogen, halte mich nur in abgedunkelten Räumen auf (ist für mich sichttechnisch am angenehmsten) und gehe auch abends so wie nie weg, da ich die vielen Kunstlichter in der City einfach nicht ertragen kann, die ich doppelt und dreifach sehe und alle Lichter wie Weihnachtssterne ausstrahlen. Sport mache ich zwar noch, er macht mir im Gegensatz zu Früher aber auch kaum noch Spaß bzw. ich habe das Gefühl, dass mir einfach gar nichts mehr irgendwelche Freude macht. Ich rede auch kaum noch mit Leuten, was ich früher gern getan habe. Da habe ich immer viel diskutiert an der Uni, mittlerweile sage ich kaum noch was, da es mir eh egal ist, über was da so debattiert wird. Ich kann ehrlich sagen, dass ich in den letzten 3 Jahren nicht einen einzigen Tag hatte, wo ich mich gut gefühlt habe. Um das klarzustellen: Ich habe aber keine Selbstmordgedanken oder ähnliches. Ich habe oft einfach gar keine Gedanken mehr. Ich sitze da und warte, dass es später wird. Mir ist dan oft einfach alles egal bzw. ich empfinde einfach keine Freunde mehr, an gar nichts.

Also, kennt ihr das? Und wie seid ihr damit umgegangen? Dass mir da Medikamenten helfen könnten bezweifele ich, da diese die Ursache des Problems, die schlechten Augen, ja auch nicht ungeschehen machen können. Ehrlich gesagt ist dass einzige, was mir überhaupt noch irgendweine Art von Hoffnung auf Besserung gibt, der medizinische Fortschritt auf dem Gebiet der Augenheilkunde und Biotechnologie (biosynthetische Hornhäute u.ä.). Aber auch sowas werde ich mir wohl kaum leisten können, wenn ich gar nicht erst einen Job finde oder wenn ich diesen aufgeben muss, weil ich mich nicht Imstande sehe, ihn durchzuhalten... :(

Also, sagt mal was dazu, bitte!
andreas
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Joined: 2003-05-17, 01:21
KC-Experience: Im Studium und im Beruf war es immer sehr anstrengend, mit den Kollegen mitzuhalten - trotz sehr großer Bildschirme und immer "vorne sitzen" bei Präsentationen. Feierabend war wirklich Feierabend; da war keine Kraft mehr für After-Work-Parties oder Work-Out im Fitnessstudio. Langes lesen oder schreiben von Texten war trotz aller Hilfsmittel anstrengend; oder lange Besprechungen mit Präsentationen.

Seitdem ich Rentner bin, kann ich mir meine Zeit / Pausen sehr viel großzügiger einteilen; trotz der regelmäßigen Struktur, die ich meinem Rentnerleben gegeben habe.
Keratoconus since: Die erste richtige Diagnose kam so 1978 - erst irregulärer Astigmatismus, dann Keratokonus. Bis zur richtigen Diagnose habe ich ca. 10 Augenärzte und 3-4 Jahre gebraucht. Seit ca. 2006 stabil in rechts Stufe II-III: links I-II; kaum Veränderungen bei Scanns in 4-6-Jahres-Abständen
Experience with eyeglasses / lenses: Ich komme gut mit verschiedenen Brillen zurecht (Hell&Fern; NormalesTageslicht/Nah; Dunkel/Fern; Dunkel/Nah; reichen fast immer. Früher habe ich gelegentlich Tageslinsen getragen, dass brauche ich nun nicht mehr.
Operationen: Keine OP´s
Begeiterscheinungen: trockene Augen; trockene Haut; Augen-jucken
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Re: Keratokonus und Persönlichkeitsveränderung

Post by andreas »

Hallo Torn,

ich habe mir meine Diagnose mit ca. 20 Jahren erarbeitet (und dabei ca. 15 Augenärzte verschlissen).

Dann habe ich ca. 5 Jahre gebraucht um festzustellen, dass es auch mit weniger Sicht funktioniert. Man entwickelt Strategien, um damit zurecht zu kommen und das Gehirn ist extrem leistungsfähig, wenn es darum geht diese Sehschwäche auszugleichen. Ich habe irgendwann aufgehört, alles scharf sehen zu wollen (ist sowieso besser...).

Nun bin ich fast 50 und komme, trotz fortgeschrittenem KC (Stufe III/IV und II/III) gut mit den Doppler-/Verzerrungen usw. -Effekten zurecht.

Klar, durch die schlechte Sicht ist die Gesichtererkennung eingeschränkt, im Kino sitzt man eher vorn; in Vorlesungen o.ä. auch; alle Monitore/Fernseher sind sehr groß; ich benutze z.T. eine Lupe. Aber das ist alles nebensächlich - wichtig für mich ist, das die Familie, Freunde und Bekannte (z.B. am Arbeitsplatz) das Problem verstehen und ich kein Geheimnis daraus machen musste.

Das ist alles nicht so tragisch - hier im Forum sind Betroffene, die mit Transplantation auch noch berufstätig sind.

Letztlich kann ich nicht etwas nachtrauern, was ich nicht habe, bzw. nicht haben kann - mein Privat- und Berufsverhalten sind nun mal so, wie es die Sichteinschränkung erfordert. Deswegen bin ich dennoch mit vielen "normalen" Leuten befreundet (die oft auch alle ihr Päckchen zu tragen haben).

Beruflich habe ich alles ausprobiert, was ich wollte - Studium, Theaterausbildung, ein Jahr Ausland, Außendienst, Werbeagentur, Projektmananger Pharmaproduktion, Geschäftsführer, Praxismanager, und noch einiges mehr; Privat mache ich außer selbst Flugzeuge fliegen eigentlich alles.... ich kenne viele "Normalos" die recht sprachlos sind, was ich privat und beruflich so alles schon gemacht habe.

Gut, man kann natürlich auch einfach abwarten, wie es später wird - aber das ist deine persönliche Entscheidung, die meiner Meinung nichts mit KC zu tun hat. Was machst du, wenn du zusätzlich eine ernste Krankheit bekommst?

Gruß, Andreas

PS: Ich kenne KC-Betroffene, die zusätzlich noch eine lebensbedrohende, schwere Herz- oder Darmkrankheit haben - dabei wird ein Keratokonus völlig unwichtig.
sabine s.
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Posts: 2364
Joined: 2005-05-30, 11:25
KC-Experience: 4x transplantiert, 3x an einem auge, immunsuppression wegen ständiger transplantatabstoßungen, glaukom bereits mehrmals operiert, beginnender katarakt an beiden augen. visus mit brille um die 35%. Kontaklinsenunverträglichkeit .
augen-op´s insges. 13x. bin bei prof. th. neuhann in behandlung.
5. transpl. steht in den starlöchern.??? mehr oder weniger. das 5. transplantat war bereits am anfang märz 08 gefunden worden. 2 h später, anruf vom Prof. er könne es nicht nehmen. jetzt muß ich also weiter warten.
nävus auf der netzhaut inoperabel, tumor in der orbita nähe des sehnerves.
visus bleibt erwiesenermaßen schlecht, bzw. verschlechtert sich zumindest in der nähe und an den äußeren gesichtsfeldrändern. visus scheint irgendwie zu stagnieren, komme gerade so zurecht, wobei das Lesen immer schwieriger wird.
Experience with eyeglasses / lenses: Sehr schnell wurden mir harte KC-Linsen angepaßt, die sich aber andauernd veränderten, so, daß der Anpasser gar nciht mehr nachgekommen ist.
Operationen: 1999 wurde die erste Keratoplastik gemacht. s.o. bei und von Prof. Thomas Neuhann. Alle anderen Keratoplastiken (mit wachsendem Vergnügen, ebenfalls vom Prof. Neuhann der sich absolut rührend um mich kümmert. Div. Trabekulektomien, Div. Cortisonspülungen....................alles zwar Operationen, aber immer irgendwie im Vorbeigehen.
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Re: Keratokonus und Persönlichkeitsveränderung

Post by sabine s. »

hallo tom.

ich schließe mich andreas da an. allerdings, die ersten 2-3 jahre nachdem der kc bei mir voll zugeschlagen hatte, gings mir ähnlich wie dir.
da ich buchhändlerin bin mußte ich über kurz oder lang meinen beruf aufgeben, denn die läden sind entweder recht dunkel oder den ganzen tag mit kunstlicht,
beides konnte ich nur über wenige stunden aushalten und war abends zu fertig um überhaupt noch irgendwas zu tun, gar nicht zu reden davon , ein buch oder fachzeitschriften zu lesen.
ich mußte meinen beruf aufgeben und danach bin ich in ein loch gefallen.
eine psychotherapie hat mich dann so einigermaßen aufgefangen und auch das forum hier, denn ich habe etliche leute hier im forum persönlich kennengelernt und ein paar wurden zu meinen besten freunden, bzw,. meinem lebenspartner.
mein visus ist inzwischen bei 35% KORRIGIERT, ohne brille (linse geht medizinisch nicht) sehe ich unter 10%,
ich merke nicht mehr, daß ich ja eigentlich sehr schlecht sehe, für mich sind die 35% soviel wie 100%, dabei ist es aber nicht so, daß ich bestimmte dinge nicht sehen kann.
ich sehe eigentlich alles, weil das gehirn sehr gut kompensiert.
beim kc ist eine positive lebenseinstellung sehr wichtig.............natürlich sieht man anfangs mit neuen linsen, neuer brille noch nicht allzugut, aber man LERNT!!!!! und dauernd die sehhilfen zu verändern, am visus runzuschrauben schafft nur stress und bringt nicht allzuviel.
das ist kein trost, wenn man auf den visus zwingend angewiesen ist, aber wenn man sich ne zeitlang durch widrige umstände durchbeißt, gewöhnt man sich dran.
die persönlichkeit ändert sich wahrscheinlich nicht, wohl aber die sicht auf die dinge, im wahrsten sinne des wortes, die prioritäten, die man dann halt anderst setzen muß.
der für mich beste weg war der, einfach zu versuchen, ne zeitlang nicht an die augen zu denken
sonnenbrille, lupe, augentropfen, das alles sind dann halt unverzichtbare utensilien.
wenn man bei wirklich guten anpassern ist, kann das ungemein helfen. das kostet zwar zeit und geld, aber es ist möglich noch etwas mehr an sehqualität rauszukitzeln.
was leider auch bei mir ganz schlecht ist, ist die fähigkeit nachts auto zu fahren...........dies mußte ich mir abgewöhnen und das war eigentlich der krasseste einschnitt in mein leben, erst recht wenn man kinder hat, die man noch durch die gegend fahren muß.
man darf sich einfach nicht zu sehr auf den kc versteifen und konzentrieren. je entspannter man damit umgehen kann, desto entspannter ist dann auch das sehen.

grüßle
sabine
loiu
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Joined: 2006-09-15, 15:37

Re: Keratokonus und Persönlichkeitsveränderung

Post by loiu »

Hallo Torn,

ich verstehe Dich nur zu gut.
Leider kann man nicht viel mehr sagen als das, was Sabine und Andreas geschrieben haben. Vielleicht nur, dass man sich daran gewöhnt.
Ich arbeite als Journalist, reise viel, lese und schreibe sehr viel. es ist Alles mit starkem Keratokonus machbar. Natürlich wäre besser ohne, aber was soll’s. *xxxxx* drauf. Pech gehabt. Macht keinen Sinn, wie Alles andere auch wenig Sinn macht.

Also, halt die Ohren steif.